10.03.12

Loyalitätskonflikt von Kindern - Perverses Dreieck

Loyalitätskonflikt

Loyalitätskonflikte entstehen, wenn das eigene Liebes-Gefühl bzw. die Beziehung zu einer Person von dem sonstigen sozialen Umfeld nicht getragen bzw. akzeptiert wird. Sie entstehen innerhalb der Familienstörung Perverses Dreieck und kann zu schweren sozialen Störungen bei den beteiligten [Kind]ern führen.

Die Problematik betrifft in der Regel Kinder und Jugendliche, die auf Basis fehlender Erfahrung ihre persönlichen Beziehungsstrukturen, ihre eigene Rolle darin und die im sozialen Umfeld gebundenen Personen bzw. dessen Bedürfnisse nicht kompetent einschätzen können. Die Entwicklung von Empathie wird nachhaltig verändert.
Die Problematik bewirkt, das Kinder ihrem Bauchgefühl nicht weiter vertrauen oder unzureichend entwickeln und allein Sozial zweckdienlich handeln. Psychologische Folgen können sich u.a. das Borderline-Syndrom, Depressionen sein oder äußern sich als Störungen im Bereich Selbstverständnis, Selbstbewußtsein oder Suchtverhalten.
Bestehenden Loyalitätskonflikten kann man bewußt entgegenwirken, indem man seine eigene soziale Interaktion hinterfragt und im Zweifel mit Hilfe eines Psychologen innerhalb einer Verhaltenstherapie bearbeitet.


 Loyalitätskonflikte in innerfamiliären Beziehungen
Innerhalb bzw. bei Konfliktsituationen nach Koalitionären zu suchen, ist normal und im Sinn gemeinsamer Willensbildung wichtig. Bezieht sich diese Koalition auch auf Kinder, die Entwicklungsbedingt den Konfliktgegenstand nicht selbständig und in seinem Umfang erfassen können, droht ein Loyalitätskonflikt. Hierbei wird die Intregität, die Loyalität und das Grundvertrauen in den Konfliktgegner in Frage gestellt.
Sowohl der Konfliktauslöser als auch der Konfliktgegner ist im Sinn einer Beziehungsarbeit gefragt, den Loyalitätskonflikt für die Kinder möglichst frühzeitig abzuschwächen und aufzulösen.


Loyalitätskonflikte nach Scheidung bzw. Trennung der Paar-Ebene
Trennung bzw. Scheidung führt oftmals zu Umgangs- und Sorgerechts- Streitigkeiten um die Kinder. Die Kinder werden hier als Waffe auf der Paar-Ebene gebraucht, um den Ex-Partner zu treffen. Manche Eltern sind hierbei nicht immer in der Lage, zwischen Ihren Gefühlen und der Gefühlswelt Ihrer Kinder zu unterscheiden. Als Auslöser des Loyalitätskonflikts kann hierbei dauerhaft die Eltern-Kind-Beziehung zum angefeindeten Elternteil beinträchtigt oder sogar zerstört werden.
Bei Scheidungsverfahren führt ein Loyalitätskonflikt der beteiligten Kinder zu einer Positionierung "für" ein, meist den konfliktführenden, Elternteil. Vom Hilfesystem oft nicht erkannt, wird diese Positionierung für "bare Münze" genommen, und eine Familientherapeutische Behandlung damit verhindert.
Dieser Vorgang kann zu einem Kontaktabbruch zwischen Kind und ausgeschlossenen Elternteil führen und wird auch als Parental Alienation Syndrome (PAS) bezeichnet.

Loyalitätskonflikte und sozialer Druck
Insbesondere Menschen mit schwach ausgeprägten Selbstverständnis oder/und Selbstbewußtsein stehen in Konfliktsituationen unter sozialem Druck und versuchen diesen verständlicherweise zu kompensieren.
Kinder sind den Eltern im besonderen Maße, wichtigste Bezugsperson und Versorger, verbunden. Die Kinder in einen Konflikt mit einzubeziehen um den eigenen sozialen Druck zu kompensieren bzw. weiterzugeben, ist aber erzieherisch nicht sinnvoll.

Die Wirkung von Loyalitätskonflikten im Kindesalter
Insbesondere bei Scheidung und Trennung wird ein bestehender Loyalitätskonflikt nicht bearbeitet und kann sich krankhaft verfestigtigen. Als "Liebesdienst" wird die konfliktführende Eltern-Partei, ähnlich wie beim Stockholm-Syndrom, begünstigt und der Konfliktgegner sozial ausgegrenzt. Dies wird passiv oder (bewußt oder unbewusst) aktiv forciert, da ja das Ziel "meine Kinder" erreicht werden soll.
Den Kindern ist, wenn von ihnen auch nicht kommuniziert, die Ungerechtigkeit und die soziale Ausgrenzung oftmals bekannt. Der Bauch sagt "Ja", der Kopf sagt "Nein". Dieser Umstand verändert nicht nur persönlichen sozialen Möglichkeiten negativ, sondern auch (über den Kontaktverlust hinaus) das Verhältnis zum Konfliktgegner. Kinder suchen dabei z.b. durch bewußte Provokation nach der Bestätigung "die/der ist böse". Es resultierten hieraus negative Gefühle wie ein "schlechtes Gewissen", Wut, Scham etc. Unaufgelöste Loyalitätskonflikte können lebenslange Nachwirkungen bishin zu psychischen Problemen nach sich ziehen. Hierzu gehören, je nach Ausprägung, ADS , Borderline, Depression etc.
Insbesondere der Konfliktgegner ist gefordert, dem betroffen Kind mit Geduld und Verständnis entgegenzutreten ohne hierbei seine Erziehungsverantwortung zu vernachlässigen.

 Die Wirkung von Loyalitätskonflikten im Erwachsenenalter
Jahrelanger Kontaktabbruch zum Konfiktgegner kann, insbesondere wenn er im Sinn von Beziehungsarbeit nicht bewältigt wird, lebenslang nachwirken. Die vorgelebten antisozialen Verhaltensmuster können, ein Erwachsener hat eingene Möglichkeiten der Verarbeitung, dennoch z.B. zu Beziehungsstörung führen.
Von in der Kindheit von Loyalitätskonflikten betroffene Erwachsene sollten nach Möglichkeit die gemeinsame Familiengeschichte mit dem Konfliktgegner aufarbeiten, um eigene Verhaltensmuster refflektiv und relativierend betrachten zu können.






Kommentare:

  1. Anonym11:01

    Ich habe nur einen kleinen Änderungsvorschlag:
    Es heißt "Loyalitätskonflikte entstehen, wenn das eigene Liebesgefühl bzw. die Beziehung zu einer Person...". Hier wird nicht differenziert, dass hier wohl "Bindung" und nicht "Beziehung" gemeint ist. Eine Beziehung ist der allgemeine Begriff zu Kontaktpersonen, wogegen Bindung eine Art Beziehung ist, für die Liebe die Voraussetzung ist.

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  2. Anonym06:04

    Ich glaube nicht, dass in einem engen familiären Kontext der Begriff der Beziehung eine "Fehlbesetzung" ist, ich glaube weiter nicht, dass eine familiäre "Bindung" immer auf der Basis der "Liebe" geschieht. Ein Kleinkind muss einen oder die Bezugspartner nicht zwangsläufig lieben und eine Bindung ist so "sicher" wie Nähe zugelassen wird. Also ist es einerlei welchen Begriff man einsetzt.

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